Customer Due Diligence wird zum operativen Pflichtprogramm
Die Anforderungen an Unternehmen im Bereich Geldwäscheprävention haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verschärft. Für Mittel- und Großunternehmen bedeutet das vor allem eines: Kundenbeziehungen müssen heute deutlich strukturierter geprüft, dokumentiert und regelmäßig neu bewertet werden als noch vor wenigen Jahren. Unter dem Stichwort Customer Due Diligence, kurz CDD, versteht man dabei nicht nur eine einmalige Prüfung bei der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung, sondern einen laufenden Prozess, der Risiken erkennt, Entscheidungen absichert und Veränderungen frühzeitig sichtbar macht.
Genau an dieser Stelle setzt die TOLERANT Compliance Suite an. Die Plattform ist ursprünglich für die fehlertolerante Prüfung von Kunden, Geschäftspartnern, Lieferanten, Zahlungsempfängern und weiteren Kontakten gegen Sanktionslisten, PEP-Listen, Watchlists und andere Risikodatenquellen konzipiert worden. Mit Blick auf die ab 10. Juli 2027 anzuwendende EU-Geldwäscheverordnung AMLR wird sie nun gezielt um Funktionen erweitert, die Unternehmen bei der Customer Due Diligence operativ unterstützen sollen. Geplant sind unter anderem workflowgestützte CDD-, SDD- und EDD-Prozesse, die nachvollziehbare Kundenrisikoklassifizierung, die strukturierte Erfassung wirtschaftlich Berechtigter sowie ein Review- und Wiedervorlagenmanagement. Die Funktionen befinden sich teilweise in Entwicklung und sind bis Ende 2026 vorgesehen.
Für Unternehmen ist dieser Schritt mehr als eine technische Erweiterung. Denn CDD ist in der Praxis häufig ein Engpass zwischen Fachabteilung, Compliance, Vertrieb und Onboarding. Daten liegen in unterschiedlichen Systemen, Prüfungen werden manuell angestoßen, Nachweise fehlen oder sind verstreut, und bei Auffälligkeiten ist oft nicht klar, wer den nächsten Schritt verantwortet. Die TOLERANT Compliance Suite adressiert genau diese Schwachstellen mit einem Plattformansatz, der Screening, Risikobewertung, Fallbearbeitung und Dokumentation zusammenführt. Ziel ist nicht, aus einem Treffer lediglich einen Warnhinweis zu machen, sondern daraus einen steuerbaren Arbeitsprozess.
Das ist für Mittel- und Großunternehmen besonders relevant, weil dort in der Regel nicht nur einzelne Kundenbeziehungen, sondern große Volumina und unterschiedliche Geschäftsmodelle parallel geprüft werden müssen. Ein internationaler Vertrieb, verschiedene Tochtergesellschaften oder heterogene Kundengruppen verlangen nach differenzierten Regeln statt nach starren Standardprozessen. Die Compliance Suite ist mandantenfähig und lässt sich so konfigurieren, dass unterschiedliche Screeningverfahren, Risikomodelle und Workflows parallel abgebildet werden können. Das erleichtert die Umsetzung in Organisationen, die mehrere Länder, Einheiten oder Geschäftsfelder unter einem gemeinsamen Compliance-Rahmen steuern müssen.
Ein zentraler Baustein der geplanten AMLR-Erweiterung ist die Kundenrisikoklassifizierung. Künftig sollen Unternehmen Risikofaktoren wie Kundentyp, Rechtsform, Branche, geografische Risiken, Produkte, Vertriebswege oder Informationen zu wirtschaftlich Berechtigten systematisch bewerten können. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Risikoeinstufung wird nachvollziehbar und bleibt nicht auf einer subjektiven Einzelfallentscheidung hängen. Wer später nachvollziehen muss, warum ein Kunde als erhöhtes Risiko eingestuft wurde, erhält eine dokumentierte Begründung auf Basis der zugrunde liegenden Faktoren.
Auch die Customer Due Diligence selbst soll stärker in den Alltag integriert werden. Statt isolierter Prüfschritte werden künftig Checklisten, Pflichtangaben, Dokumentanforderungen und Freigaben in einen workflowgestützten Ablauf eingebunden. Das ist vor allem für Unternehmen mit hohem Onboarding-Durchsatz interessant, weil fehlende Informationen sofort sichtbar werden und Aufgaben automatisiert zugewiesen werden können. So wird aus einer regulatorischen Pflicht ein klar strukturierter Prozess, der sich effizient in bestehende Abläufe einfügt, ohne den Fachbereich unnötig auszubremsen.
Besonders relevant ist zudem die geplante Unterstützung wirtschaftlich Berechtigter und komplexer Beteiligungsstrukturen. Gerade bei Firmenkunden, internationalen Konzernstrukturen oder Stiftungs- und Holdingmodellen ist die Frage, wer tatsächlich hinter einer Beziehung steht, oft entscheidend für die Risikobewertung. Die Compliance Suite soll direkte und indirekte Beteiligungen, Kontrollverhältnisse und Unternehmensverbindungen strukturiert erfassen und in die Prüfungen einbeziehen. Änderungen an solchen Strukturen können dann erneut bewertet werden, was die laufende Überwachung deutlich robuster macht.
Für die Praxis ebenfalls wichtig ist das Review- und Wiedervorlagenmanagement. Unternehmen müssen Kunden nicht nur bei der Erstaufnahme prüfen, sondern je nach Risiko in regelmäßigen Abständen erneut bewerten. Die geplanten Funktionen sollen dabei helfen, Fristen zu steuern, offene Prüfungen sichtbar zu machen und überfällige Vorgänge nicht aus dem Blick zu verlieren. Ergänzt wird das durch ereignisgesteuerte Neuprüfungen, etwa wenn sich Kundendaten ändern, neue PEP- oder Sanktionsergebnisse vorliegen oder sich wirtschaftlich Berechtigte verändern. So wird Customer Due Diligence nicht als Punktmaßnahme verstanden, sondern als laufende Risikosteuerung.
Für Unternehmen mit knappen Ressourcen ist das ein entscheidender Aspekt. Denn je besser sich Prüfungen standardisieren und automatisieren lassen, desto mehr Zeit bleibt für die fachliche Bewertung der Fälle, die wirklich kritisch sind. Genau hier liegt der wirtschaftliche Nutzen der Plattform: weniger manuelle Aufwände, weniger Medienbrüche, bessere Nachvollziehbarkeit und eine belastbare Dokumentation gegenüber Revision, Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden.
Die TOLERANT Compliance Suite positioniert sich damit als Arbeitsumgebung für Unternehmen, die Customer Due Diligence nicht nur regelkonform, sondern auch effizient organisieren wollen. Für Mittel- und Großunternehmen bedeutet das vor allem eine bessere Balance aus Kontrolle, Skalierbarkeit und Praxistauglichkeit. Denn am Ende zählt nicht nur, ob geprüft wurde, sondern ob die Prüfung im Alltag verlässlich, nachvollziehbar und wirtschaftlich umsetzbar ist.
